Warum die Sommerernährung für Pferde besondere Aufmerksamkeit verdient
Der Sommer bringt für Pferde üppige Weiden, lange Tage und viel Bewegung – aber auch erhöhte Risiken. Frisches Weidegras ist nährstoffreich und energiedicht, kann aber bei falscher Dosierung zu ernsthaften Gesundheitsproblemen führen. Wer die Ernährung seines Pferdes im Sommer im Blick behält, legt den Grundstein für Gesundheit und Wohlbefinden.
Weidegras im Sommer: Nährstoffbombe mit Tücken
Frisches Gras im Frühjahr und Sommer ist reich an Fruktan – einem Kohlenhydrat, das Pferde im Übermaß nicht gut verwerten können. Besonders kritisch sind:
- Sonnige Tage nach Kälteperioden: Dann steigt der Fruktangehalt im Gras stark an.
- Morgenstunden: Gras hat nach der Nacht den höchsten Zuckergehalt.
- Kurz geschnittene Weiden: Hier ist die Fruktankonzentration besonders hoch.
Empfehlung: Weidegang schrittweise einführen, besonders nach dem Winter. Beginne mit 30 Minuten täglich und steigere langsam über mehrere Wochen.
Hufrehe: Das größte Risiko im Sommer
Hufrehe ist eine schmerzhafte Entzündung des Hufes, die durch übermäßigen Fruktankonsum ausgelöst werden kann. Besonders gefährdet sind:
- Ponys und Kleinpferde
- Übergewichtige Pferde
- Pferde mit Equinem Metabolischem Syndrom (EMS) oder PPID (Cushing)
- Pferde mit Hufrehe-Vorgeschichte
Anzeichen für Hufrehe: Das Pferd entlastet die Vorderbeine, steht in typischer Schonhaltung, die Hufe fühlen sich warm an und das Pferd ist lahm. Sofort den Tierarzt rufen!
Präventiv helfen: Weidekorb, eingeschränkter Weidegang, Paddock-Haltung in kritischen Phasen und regelmäßige Gewichtskontrolle.
Mineralstoffbedarf im Sommer
Durch Schwitzen verlieren Pferde im Sommer erhebliche Mengen an Elektrolyten – vor allem Natrium, Kalium, Chlorid und Magnesium. Diese müssen ausgeglichen werden:
- Salzleckstein: Ermöglicht dem Pferd, seinen Natriumbedarf selbst zu regulieren.
- Elektrolytergänzung: Bei starker Arbeit oder Hitze sinnvoll, am besten über das Futter oder Trinkwasser.
- Magnesium: Unterstützt Muskelentspannung und Nervensystem – besonders bei stressanfälligen Pferden relevant.
Wasser: Der unterschätzte Nährstoff
Ein Pferd trinkt im Sommer bis zu 60 Liter Wasser pro Tag – bei Arbeit und Hitze noch mehr. Sorge für:
- Sauberes, frisches Wasser rund um die Uhr
- Mehrere Tränkestellen auf der Weide
- Regelmäßige Reinigung der Tränken (Algenbildung im Sommer!)
- Schattige Plätze in der Nähe der Tränke
Raufutter im Sommer: Weniger ist mehr?
Viele Pferdebesitzer reduzieren Heu im Sommer stark, weil das Pferd auf der Weide ist. Das kann problematisch sein: Pferde brauchen eine kontinuierliche Raufutterversorgung für eine gesunde Darmflora. Besonders bei eingeschränktem Weidegang sollte Heu weiterhin angeboten werden – idealerweise über ein Heunetze zur Verlängerung der Fresszeit.
Kraftfutter im Sommer anpassen
Bei Pferden, die viel Weidegras fressen, sollte Kraftfutter deutlich reduziert oder ganz weggelassen werden. Ausnahmen sind Hochleistungspferde oder Pferde mit erhöhtem Energiebedarf. Lass dich im Zweifelsfall von einem Pferdernährungsberater oder Tierarzt beraten.
Fazit: Bewusst füttern im Sommer
Die Sommerernährung für Pferde erfordert mehr Aufmerksamkeit als viele denken. Kontrollierter Weidegang, ausreichend Wasser, Elektrolytausgleich und ein wachsames Auge auf das Körpergewicht sind die wichtigsten Maßnahmen. So genießt dein Pferd den Sommer gesund und vital.